Hürth baut erste Wasserstoff-Tankstelle in der Region Köln

Mit dem Projektstart von ‚Chemergy’ eröffnen wir eine neue Wasserstoff-Welt,“ ist sich Dr. Albrecht Möllmann, erster Vorsitzender von „HyCologne – Wasserstoff Region Rheinland e.V.“, sicher. „Denn wir schaffen im Rahmen des Projekts praxisnah und zeitsparend eine modulare Tankstelle dort, wo der Wasserstoff anfällt.“ Dieser Standort direkt am Chemiepark Hürth, ist ein erster Schritt in der Region Köln, um Wasserstoff aus der Chemie-Industrie als Energieträger für Fahrzeuge nutzbar zu machen.

Die Region Köln verfügt über sieben Industrieanlagen, in denen Wasserstoff als Nebenprodukt erzeugt wird – und zwar in großen Mengen. Zwar nutzt die Industrie diesen Kraftstoff überwiegend selbst, doch rund acht Prozent davon könnten als Energieträger insbesondere für die mobile Nutzung verwendet werden. Damit ließen sich nämlich mehr als 500 Busse oder 40 000 Pkw dauerhaft betreiben. „Es macht deshalb Sinn, mit einem innovativen Projektmodell wie ‚Chemergy’ zu zeigen, dass es lohnt, solche Kraftstoff-Potenziale direkt vor Ort anzubieten“, so Möllmann. Nach seiner Überzeugung hat letztlich nur eine solche Infrastruktur der kurzen Wege die Chance, vom Markt angenommen zu werden. Hinzu kommt der Charme dieses abgasfreien Energieträgers, besonders umweltfreundlich und klimaschonend zu sein.

Es ist zudem erklärtes Ziel der Bundesregierung mit dem „Nationalen Innovationsprogramm zur Förderung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ (NIP) und Mitteln von insgesamt mehr als einer Milliarde Euro, nicht zuletzt erste urbane Zentren für den Wasserstoff zu erschließen und eine Nachfrage vor allem durch Flottenbetriebe sicherzustellen. Deshalb sollen in diesem Projekt vom Frühjahr 2010 an zwei Wasserstoffbusse mit Brennstoffzellen-Hybrid-Technik des Typs „Phileas“ ihren Kraftstoffbedarf an der modularen Zapfstelle decken. Diese Stadtbusse werden gemeinsam mit der Stadt Amsterdam (ebenfalls zwei Wasserstoff-Busse) von 2010 an im Alltagseinsatz erprobt.

Dazu Dr. Ahrens-Salzsieder, Vorstand der Stadtwerke Hürth: „Wir haben keinen missionarischen Anspruch, hoffen aber bei einem erfolgreichen Projektverlauf auch andere Regionen und Betreiber davon überzeugen zu können, dass mit einer solchen Betankungsanlage der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie eine aussichtsreiche Zukunft eröffnet werden kann.“ So soll ab 2011 die jetzt geschaffene erste Stufe einer Infrastruktur modular weiter ausgebaut werden, um größere Fahrzeugflotten zu versorgen. Es ist geplant, eine weitere Wasserstoff-Zapfstelle in unmittelbarer Nähe zum Betriebshof der Busse zu installieren und auch weitere Tankstellen in der Region Köln aufzustellen. Diese sollen, sofern ausreichend Fahrzeuge am Markt verfügbar sind, dann mit Industrie-Wasserstoff versorgt werden, der deutlich preiswerter ist als Wasserstoff aus anderen Quellen.

Die Initiative „Chemergy“ mit der Wasserstoff-Tankstelle in Hürth leistet einen weiteren Beitrag zum „NRW Hydrogen HyWay“, der vom Chemiepark Knapsack aus entlang der vorhandenen Wasserstoff-Pipelines nördlich von Köln über Düsseldorf ins Ruhrgebiet weiterführt. „Das Projekt ‚Chemergy’ wird somit einen Meilenstein für den wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Verkehr darstellen, vor allem durch die wettbewerbsfähigen Treibstoffkosten und die günstigen lokalen Gegebenheiten“, betont Ahrens-Salzsieder.

Partner im „Chemergy“-Projekt sind die Stadtwerke Hürth AöR als Auftraggeber sowie die Air Products Deutschland GmbH, die InfraServ GmbH & Co. Knapsack KG, IGH2 – InnovationsGesellschaft Wasserstoff mbH und Praxair Deutschland GmbH & Co. KG. Für die Organisation zeichnet HyCologne – Wasserstoff Region Rheinland verantwortlich.