Rhein-Ruhr-Wasserstoff-Workshop 2.0 – THINK BIG


Rhein-Ruhr-Wasserstoff-Workshop 2.0 – THINK BIG
Batterie + Brennstoffzelle – war’s das mit Otto und Diesel?

Duisburg, 08.09.2017 // Mit Fachkompetenz und Weitsicht haben beide Veranstalter des zweiten Rhein-Ruhr-Wasserstoff-Workshops, die Initiativen h2-netzwerk-ruhr e.V. und HyCologne – Wasserstoff Region Rheinland e.V., bereits bei der Planung den Fokus auf ein Thema gesetzt, das jetzt durch den Dieselskandal besonderen Aufwind erhalten hat. Insbesondere im Autoland Deutschland wird die Diskussion stark von der Politik und Wirtschaft getrieben. Am 7. September 2017 stellten sich über 130 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft den Herausforderungen, um „Gemeinsam die Elektromobilität von Morgen zu stemmen!“ Provokant stand an diesem Tag im TecTower in Duisburg über allen Beiträgen die Frage „Batterie + Brennstoffzelle – war’s das mit Otto und Diesel?“

Neben den Beiträgen renommierter Vertreter aus Politik und Wirtschaft überzeugte das neue Veranstaltungskonzept durch interessante Wechsel zwischen Fachvorträgen, Kurzpräsentationen der Fachreferenten, Talkrunden und Diskussionsbeiträgen. Die Themenfelder konzentrierten sich auf Elektromobilität – Batterie und Brennstoffzelle – und den notwendigen Infrastrukturen für Ladung und Betankung mit Wasserstoff. Innovative E-Mobilitätskonzepte der Grundversorgungssicherung, z. B. für Nutzfahrzeuge, den öffentlichen Nahverkehr oder Schienenfahrzeuge, stellen einen wichtigen und wachsenden Markt dar.

Talkrunde Nutzfahrzeuge: Neue Akteure bauen heute Märkte der Zukunft

Im Jahre 2008 habe das Schweizer Groß- und Detailhandelsunternehmen COOP die Vision „CO2-neutral bis 2023“ formuliert, erläutert Rolf Huber, Präsident des Verwaltungsrats der h2 Energy AG. Hinzu komme, dass COOP in einem Joint Venture mit dem US-Energiekonzern Phillips 66 über 230 Tankstellen in der Schweiz betreibe und mit einem Marktanteil von über 22 Prozent klarer Marktführer in diesem Segment sei. Nun gehe COOP neue Wege und habe gemeinsam mit den Unternehmen Esoro und H2 Energy einen systemischen Ansatz gewählt, um seine Logistik nachhaltig – CO2-frei – auszurichten. Hierbei setze COOP auch auf mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen-Fahrzeuge.

Huber betont: „Da COOP die Verbreitung der Lkw-Flotte selber bestimmen kann, kann auch auf den Verbrauch und somit die Wirtschaftlichkeit einer Wasserstofftankstelle aktiv Einfluss genommen werden. Leider konnte für die Demoversion noch kein Lkw-OEM gewonnen werden. Daher haben COOP und H2 Energy die Firma Esoro mit dem Bau des ersten H2-Lkw der 35-Tonnen-Klasse beauftragt. In der Zwischenzeit haben sich erfreulicherweise einige Lkw-OEMs bei uns gemeldet, die eine erste Serie produzieren wollen. Das Lkw-Tankstellen-Zusammenspiel hat also als positiven Nebeneffekt einen systematischen Aufbau eines Wasserstofftankstellen-Netzes zur Folge – welches dann von H2-Pkw genutzt werden kann – und dies ohne staatliche Förderung.“

H2 Energy besitzt und betreibt eine Produktionsanlage an einem Wasserkraftwerk in Aarau. Den dort nachhaltig produzierten Wasserstoff verkauft und vertreibt H2 Energy an die COOP-H2-Tankstellen. Außerdem wurde H2 Energy von COOP beauftragt, das Unternehmen in Sachen Wasserstofftechnik weiter zu unterstützen. Diese Unterstützungsaufgabe umfasst die Errichtung von weiteren H2-Tankstellen, die Verfügbarmachung von H2-Lkw und weitere kommerzielle Aktivitäten in diesem Bereich.

Vorträge und Talkrunde: Wertschöpfungskette in Deutschland

Prof. Dr. Achim Kampker, Geschäftsführer der StreetScooter GmbH, hat bereits als Ingenieur und Leiter des Lehrstuhls für Produktionsmanagement an der Fakultät für Maschinenwesen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen vor circa acht Jahren den StreetScooter, einen elektrischen Kleintransporter, entwickelt. Hierbei stand die Reduktion von Entwicklungszeit und Produktionskosten im Mittelpunkt. Ende 2014 wurde das Unternehmen eine 100%ige Tochter der Deutschen Post DHL Group. So entstand ein neuer Autohersteller. „Die Geschwindigkeit, mit der dies vorangegangen ist, ist einmalig“, so Prof. Kampker, der nun zum Sonderbeauftragten für Elektromobilität im Unternehmensbereich Post – eCommerce – Parcel bestellt wurde. Er soll in dieser Funktion möglichst schnell und effizient die E-Mobilität in allen Bereichen der Unternehmensgruppe implementieren und ausbauen.

„Neben Nachhaltigkeit stand von Beginn an die Wirtschaftlichkeit im Fokus der Entwicklung dieses Nutzfahrzeugs, das perfekt auf den rauen Alltag zugeschnitten ist. Mobilität mit Verbrenner wird es auch in Zukunft geben. Hinzu kommt die Wertschöpfung rund um die Batterie und den elektrischen Antrieb. Zusätzlich erschließen wir schrittweise weitere Kundenkreise. Wir müssen daher Marktwachstum und eigenes Wachstum in Einklang bringen.“ So erläutert Prof. Kampker die Herausforderungen in einem sich neu entwickelnden Markt. Ganz frisch wurde in den letzten Wochen eine Kooperation mit der Ford AG verkündet. Der gemeinsam produzierte E-Transporter StreetScooter WORK XL mit einem Ladevolumen von 20 Kubikmetern und Platz für rund 200 Pakete soll in den Großstädten und Ballungsräumen für eine leise, umweltfreundliche und schadstofffreie Paketzu-stellung sorgen.

Resümee der Veranstalter: Sich gemeinsam stark machen

Volker Lindner, Vorsitzender der Initiative h2-netzwerk-ruhr, formuliert das Resümee der Veranstaltung: „Die Vorträge und angeregten Diskussionen der Experten zeigen auf, dass es nicht reicht, ein Verbot von Verbrennungsmotoren zu beschließen. Zur flächendeckenden Einführung von Elektromobilität müssen Stromnetze und Ladeinfrastruktur massiv ausgebaut werden, ebenso muss ein dichtes Netz an Wasserstoff-Tankstellen geschaffen werden.“

Dr. Albrecht Möllmann, Vorsitzender von HyCologne – Wasserstoff Region Rheinland, verspricht, dass sich die Netzwerke h2-netzwerk-ruhr und HyCologne weiterhin gemeinsam und mit Nachdruck für emissionsfreie Brennstoffzellen-Busse im öffentlichen Nahverkehr und den Infrastrukturausbau der Wasserstofftankstellen einsetzen werden. „Politik und Wirtschaft müssen hier Hand in Hand gehen“, so Möllmann. Wichtig sei es, in den kommenden Jahren technologieoffen auf vorhandene und neue Entwicklungen zu schauen. Denn langfristig werden die Entscheidungen der Verbraucher und die Wirtschaftlichkeit der Technologie den Markt bestimmen.

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